Bertradaburg

Überlieferungen zufolge sollen schon zur Römerzeit ein Kastell und im 8. Jahrhundert im Kylltal ein Vorläuferbau der Bertradaburg existiert haben. Ein Landgut in Mürlenbach ist erstmals um 1103 als Besitz der Abtei Prüm erwähnt. Der Ort erscheint 1222 im “Prümer Urbar”. Die Gründung der Bertradaburg erfolgte vermutlich am Ende des 13. Jahrhunderts unter Abt Heinrich von Prüm. 1331 wurde die Burg urkundlich erstmals erwähnt.

Die Auseinandersetzungen, die das Erzbistum Trier seit dem 12. und 13. Jahrhundert im Rahmen der Gebietserweiterung führte, ließ auch die Bertradaburg nicht unbehelligt. Da die Burg der Abtei Prüm unter anderem als Verteidigungsanlage diente, erfolgte im Laufe des 16. Jahrhunderts der Ausbau zur Festung. Dieser Ausbau wurde auch nach dem Zusammenschluss der Abtei Prüm mit dem Erzbistum Trier Ende des 16. Jahrhunderts fortgesetzt.

Wenige Jahre später allerdings waren große Teile der Burg bereits verfallen. 1804 erklärte die französische Besatzung die Burg zum Nationaleigentum. Im Zuge des folgenden Verkaufs war das Burgareal bewohnt, die Reste des Palas wurden zur Brauerei ausgebaut und eine Straße zur Burg angelegt. In den 1960er-Jahren erstanden Wohnhäuser am westlichen Burghang. In den 1980er-Jahren begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die bis heute andauern.

Römerstraße

01: Römerstraße
Die Bertradaburg soll weit in die Vergangenheit reichende Vorläufer haben. Einst habe ein römisches Kastell an eben jener Stelle gestanden, an der die Burg später errichtet wurde, wird erzählt. Dem Schutz der nahegelegenen Römerstraße Via Agrippa, die von Köln nach Trier führte, habe das Kastell gedient, heißt es. Wie auch immer, Spuren römischer Besiedlung jedenfalls sind in Mürlenbach selbst zahlreich nachgewiesen, und Reste der Via Agrippa lassen sich nahe der unweit gelegenen Ortschaft Weißenseifen besichtigen. Heute ist diese weitgehend von Wald überwachsen.

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Stammbaum

02: Stammbaum
Ins 8. Jahrhundert reichen die ältesten Überlieferungen einer Burganlage im Kylltal zurück: Gemeinsam mit ihrem Sohn Charibert II. hatte Bertrada die Ältere im Jahr 721 die Benediktinerabtei Prüm gestiftet und soll zu jener Zeit in Mürlenbach gewohnt haben. Existierte damals an der Stelle der späteren Burg also schon ein Vorläuferbau? Vielleicht ein Landgut oder eine Hofanlage? Immerhin scheint sich die Familie um Bertrada damals in der Gegend aufgehalten zu haben. So gründete König Pippin III., Ehemann von Bertradas gleichnamiger Enkelin und Karls Vater, die Abtei 762 neu. Enge Verbindungen zum Kloster Prüm sind ab dem 12. Jahrhundert nachgewiesen – ein Gut in Mürlenbach wird erstmals um 1103 als Besitz der Abtei in einer Urkunde Kaiser Heinrichs IV. erwähnt. Warum also sollten diese Verbindungen nicht auch schon zu Bertradas Zeit bestanden haben? Und woher sonst rührte der Name der Burg?

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Karl der Große

03: Karl der Große
Der Überlieferung nach soll sich auch Bertrada die Jüngere, gleichnamige Enkelin der Abtei Prüm-Stifterin Bertrada die Ältere, Mitte des 8. Jahrhunderts auf dem fränkischen Anwesen ihrer Großmutter in Mürlenbach aufgehalten haben. Bertrada die Jüngere war mit König Pippin III. verheiratet und Mutter Karls des Großen, der um 747 geboren wurde. Hat also der König der Franken und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs auf der Bertradaburg das Licht der Welt erblickt? Seine Geburtsstätte wurde stets – ebenso wie sein genaues Geburtsdatum – geheim gehalten. War es der kleine Ort Mürlenbach in der Eifel, im geographischen Zentrum des ursprünglichen fränkischen Reiches?

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Das Herz des Fränkischen Reichs

04: Das Herz des Fränkischen Reichs
Regionale Überlieferungen gehen davon aus: Karl der Große wurde auf der Bertradaburg geboren, der somit als „Stammburg“ der Karolinger eine besondere Bedeutung zukäme. Ihre zentrale Lage im Frankenreich sowie der Aufenthalt Karls Urgroßmutter Bertrada der Älteren zur Zeit seiner Geburt im Ort Mürlenbach sprechen für diese Annahme.
Sicher ist, die gesamte Eifel genießt als „Herz des Fränkischen Reichs“ besondere Bedeutung. Dabei spielt vor allem die Aachener Kaiserpfalz am Nordrand der Eifel als einer der Lieblingsorte Karls des Großen eine wichtige Rolle. Unter der Regentschaft des Frankenherrschers erfuhr das Frankenreich seine größte Ausdehnung – jetzt, in der Karolingerzeit, umfasste es unter anderem die Gebiete des heutigen Deutschlands und Frankreichs.

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Architektur und Wohnkomfort

05: Architektur und Wohnkomfort
Unabhängig davon, wie weit ihre Geschichte in die Vergangenheit reicht, gebührt der Bertradaburg ohne Zweifel weit mehr Beachtung, als ihr bisher gezollt wurde. Sie gilt als eines der ältesten Bauwerke ihrer Art in der Eifel – vermutlich wurde sie Ende des 13. Jahrhunderts unter Abt Heinrich von Prüm gegründet. 1331 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Die Bertradaburg besitzt einen polygonalen Grundriss mit Ecktürmen und wird durch das gewaltige Doppelturmtor dominiert. Eine Mauer mit drei Schalentürmen, von denen zwei noch heute erhalten sind, umschloss einst den Burghof, der neben dem Doppelturmtor im Nordtor noch einen weiteren Zugang besaß. Doch nicht nur die Architektur der Anlage ist als äußerst anspruchsvoll zu bezeichnen. Auch der Wohnkomfort für die Bewohner gilt als fortschrittlich für die damalige Zeit – alle Räume der Torburg beispielsweise waren mit Feuerstellen ausgestattet.

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Historische Bedeutung

RömerstraßeStammbaumKarl der GroßeDas Herz des Fränkischen ReichsArchitektur und Wohnkomfort